Kapitel III


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Die neue Familie und ihre Umgebung war überraschend wenig überraschend. Heimischsein auf den ersten Blick, aufs erste Gefühl. Ein Gefühl der Zufriedenheit erfüllte Rudolf. Auf das Klingeln hin schnarrte der Türöffner, eine lange Treppe links zum ersten Stock, und in der geöffneten Wohnungstür stand Charlotte, die Hausfrau und Frau des Hauses, ein ansprechendes Sommerkleid an mit dezentem Schick, an ihren beiden Seiten (symbolisch "am Schürzenzipfel") zwei neugierige Kindergesichter mit Bubiköpfen, und die lachende Charlotte sagte anerkennend: "Na, pünktlich und zuverlässig bist du ja."

Wiesbaden-Biebrich und die Goethestraße wirkten nach dem ersten erkundenden Rundgang wie ein modifizierter Bezirk Berlin-Friedrichshain, nur als eine unversehrte Vorkriegswelt ohne Trümmerschneisen und Bombenlücken, und alles entweder viel kleiner oder beträchtlich größer. Für den Friedrichshain gab es den bedeutenden Biebricher Schloßpark, in dessen englischer Landschaftsgartenromantik man träumend versinken konnte, nur um plötzlich verblüfft und dankbar staunend in der von Horizont zu Horizont hinstrebenden Blickschneise à la Versailles zu stehen und den herrlichen Renaissancebau des Schlosses der offensichtlich geschmackssicheren (Groß)Herzöge von Hessen-Nassau zu erblicken.

Von der Lichtenberger Straße zur Spree, zum Beispiel an der Schillingbrücke, wo Rudolf im Städtischen Hallenbad, umgeben von Jugendstilmosaiken, schwimmen gelernt hatte, war es ein Spaziergang durch die Großstadt von etwa zwanzig Minuten. Lief man von der Biebricher "Gibb" (den engen Gassen des ältesten Teils von Biebrich, wo Dilthey geboren war) gemächlich durch den Schloßpark, von der Moosburg (einem herzoglichen Kindertraum) Richtung Schloß, war man in der gleichen Zeit auch am fließenden Wasser, allerdings im europäischen Format, nämlich am mächtigen Rhein statt an der bescheidenen, kanalisierten Spree. Zurück durch die Rathausstraße mit ihrer ein- bis zweistöckigen Biedermeierbebauung, dazwischen ein paar mal die klare klassizistische Handschrift des Baumeisters Zais, dem auch Wiesbaden viel verdankt, zum Beispiel die Kavalierhäuser am Luisenplatz vor der katholischen Stadtkirche, dem Pendant zur Backsteingotik der Marktkirche der Protestanten. Auffallend in der Rathausstraße das herausragende rote Rathaus, Sandstein, Säulen und Figurenschmuck, na, wenn das nicht preußischer Behördenstil ist. Rudolf ging zufrieden zum neuen Zuhause zurück. Hier ließ es sich für ein Berliner Kellerkind fast paradiesisch leben. In diesem Sinne würde er der in

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Berlin zurückgebliebenen Biedermeierfee schreiben, die gewiß schon auf Nachricht von ihm wartete. Nur die Mutter in Berlin, die einmal als Evakuierte Familienmutter mit zwei Kindern im idyllischen Dörfchen Lengefeld in Thüringen verzweifelt gesagt hatte: "Ich muß zurück (ins bombenbedrohte Berlin, als die Russen schon im Vorfeld der Oder standen), ich muß einfach mal wieder berliner Pflaster küssen!", diese seine Mutter, die als Kind die Zigeuner-Herta hieß, weil sie so dunkle Haut hatte, sie würde gewiß skeptisch fragen: Biebrich, Mensch Junge, is det nich’n Dorf?"

Zu Hause erfuhr Rudolf, einen Tag nach ihm sei Besuch aus Berlin angekommen, aus Westberlin, ein Mensch, der nicht fliegen mußte, weil er die an der Grenze kontrollierenden Staatsorgane der Ostmacht zu fürchten hatte, einer also, eine Sie, die deshalb relativ unkompliziert mit einem normalen Interzonenpaß und mit einem normalen Interzonenzug gekommen war: Die kleine Nichte von Vaters Frau, Tochter ihrer Schwester vom Reichpietsch Ufer. Die Sechzehnjährige würde während ihrer vierzehn Tage Ferien in Wiesbaden wohnen, bei ihrem Onkel, einem Bruder von Charlotte.

Rudolf galt selber noch als Besucher. Am kommenden Montag sollte er sich vorstellen bei seiner neuen Firma, aber die vier Tage bis dahin sollte er ebenfalls Urlaub machen, sich jedenfalls als Urlauber am Rhein fühlen, am Rhein, im Rheingau und im lockenden Taunus. Urlaub vom Alltag also, der nach dem Willen des Vaters und seiner Charlotte nun eben erst an diesem kommenden Montag beginnen sollte. Sie hatten schon einen Plan gemacht: Wiesbaden liege deutlich am Rande des Paradieses, eben am Eingang zum Rheingau und zu Füßen des Taunus. Unbedingt zu empfehlen sei eine Radtour durch das stille, waldreiche und romantische Wispertal. Gebraucht werden nur zwei Fahrräder und ein bißchen Zehrgeld. Beides stiftete die Familie.

In der Frühe des nächsten Tages, bei schönstem Juliwetter, ging es los. Den biebricher Berg hinauf, die beiden ungeübten Radfahrer mußten zuletzt absteigen, weiterschieben bis auf die Biebricher Höhe, immer auf dem Radweg im Schatten der beiden rechten Kastanienreihen, bis zur schönen Schloßimitation der Weltbekannten Sektkellerei Henkell, gegenüber das sogenannte Landesdenkmal, ein Obelisk, davor der Großherzog von Nassau, der nach dem unglücklichen Ausgang des 1866ziger Krieges, nach dessen Sieg Bismarck Österreich finanziell schonte (er brauchte sein Stillhalten noch, als es gegen Frankreich ging), die Nassauer aber einfach kassierte, sich nach Luxemburg zurückgezogen hatte, ihm, seinem bronzenen Abbild direkt gegenüber der Bahnhof Landesdenkmal, Eingang ebenerdig, doch eine lange Treppe hinab zur Trasse der Aartalbahn, die so tief lag, weil ihre Gleise im

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Tunnel die über den Biebricher Berg führende Biebricher Allee unterqueren mußten. Die Aartalbahn führte vom Wiesbadener Hauptbahnhof über Waldstraße und Dotzheim , über die Eiserne Hand, Hahn, Bleidenstadt und Bad Schwalbach nach Limburg. Unsere beiden Radfahrer, Rudolf sollte ja diese romantische Tour gemeinsam machen mit dem weiblichen Besuch aus Berlin, sie sollten nur bis Bad Schwalbach fahren. So hatte die gestrige pläneschmiedende Kaffeerunde es ihnen erklärt. In Bad Schwalbach würde es dann am Ende der Adolfstraße, nach der katholischen Kirche, einen kurzen steilen Anstieg geben, der nur schiebend zu bewältigen wäre, empfohlen war eine Frühstücksrast im Milchhof, und dann, von der Bäderstraße aus, würde es zweiunddreißig Kilometer sanft bergab gehen bis hinunter nach Lorch am Rhein. Traum aller Radfahrer, das Treten könne man vergessen, und die Zeit auch, denn die stünde still im Wispertal, weit und breit kein Mensch und kein Auto.

Zunächst kam ein Dieseltriebwagen und nahm die beiden Räder und ihre erwartungsfrohen jungen Fahrer auf. Vorbei die Dampflokzeiten, als zwei Lokomotiven den Spezialzug über die Kurvenreiche und steilste zahnradfreie Strecke Deutschlands, die Eiserne Hand, hinaufziehen mußten. Bad Schwalbach hieß damals noch Langenschwalbach, wie jeder aus den "Bekenntnissen des Hochstaplers Felix Krull" von Thomas Mann wissen kann, und die Spezialwagen dieses Zuges hießen im Eisenbahnerjahrgon "Langenschwalbacher", sie wurden ihres Erfolges wegen auch auf anderen Kurvenstrecken der deutschen Bahnen eingesetzt. Rudolf und seine halbe Cousine fuhren also im Triebwagen bis Bahnhof Bad Schwalbach, wo das Bahnhofsgebäude nun wirklich aussah wie aus einem Märklin-Spur-Null-Null-Baukasten. Zunächst gings bequem mit dem Fahrrad die ebene und schnurgrade und noch wenig bebaute Bahnhofstraße entlang, vorbei an der einfachen, weißen, etwas höher gelegenen evangelischen Dorfkirche, dann wurde es enger, Fachwerkhäuser aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges, und die sich schlängelnde Straße hieß – man wunderte sich zunächst – immer noch Adolfstraße, aber eben nicht nach dem Gröfaz, dem größten Feldherrn aller Zeiten, sondern bescheidener aber treu nach eben dem Großherzog von Nassau, der den Bahnhof Landesdenkmal bewachte, dessen Stammburg bei Nassau an der Lahn aufragt, und dessen Oranierlinie die Niederlande und auch England beglückt und regiert hat. Schnurstracks ging es weiter geradeaus (Langenschwalbach) bis zum Kurhaus. Hier stellten die beiden Ausflügler die Räder am Alleesaal ab, dem Gebäude, wo seinerzeit die Kaiserin Sissi logierte. Es war beschlossen, die Kuranlagen zu erkunden, den Musikpavillon zu finden, in dem der kleine Felix Krull im Matrosenanzug so unnachahmlich lieblich und (mit gefettetem Bogen) auf seiner Kindergeige musizierte haben soll, zum

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Entzücken der russischen Fürstinnen. Sogar eine kostbare Brosche haben sie dem Schlingel an die Matrosenbluse geheftet. Schriftsteller müßte man sein und von der Phantasie leben können.

Zurück zu den Fahrrädern, und die mußten nun tatsächlich bergauf, am Kaiserhof vorbei, geschoben werden, vorbei an der Neuapostolischen Kirche, dem dritten schwalbacher Gotteshaus. Diesen kurzen Teil des Weges hätte man schwerlich erstrampeln können, es ging mit ächs und ach den steilen Weg hinauf zum Milchhof. Diese kleine Anstrengung war der Eintrittspreis für die Wispertour, der halbe jedenfalls, denn ein etwa gleichlanges Stück bis hinauf auf die Platte lag noch vor ihnen. Auf der Platte gab es zwar ein traditionsreiches Restaurant, doch man hatte ihnen den Milchhof ans Herz gelegt. Dort saßen sie nun im Halbschatten auf einer weißen Bank vor dem Haus und tranken die kühle frische Milch, die dem Etablissement offensichtlich den Namen gegeben hatte.

Frisch gestärkt auf auf, nach der Platte ein kurzes Stück die Bädersraße entlang, nur wenige hundert Meter, und dann links ab und hinein ins Wispertal, singend: Hoch auf dem gelben Wagen, aber der Wagen, der rollt ... So rollten die beiden Räder und die Herzen der beiden Radler klopften vor Freude und ihre Seele jubelte. Mein Gott, man war jung, und es war kein Krieg mehr! Die erste Fahrt nach dem Krieg ohne Streß, nichts brauchte gehamstert zu werden, keine Russenkontrollen, nur zwei fröhliche Menschen, die Sonne, die Wolken, der Wind und die Wisper. Das anfangs handbreite Wässerchen namens Wisper wisperte tatsächlich mal rechts, mal links vom Wege, wie es dem Bächlein und dem natürlichen Gefälle gerade gefiel. O Eichendorff, du lieblicher Taugenichts, so läßt sichs leben, grün, grün und nochmals grün und sein Sach‘ auf nichts gestellt.

Welch wundersame fremd-vertraute Märchennamen: Ramschied, Riesenmühle, Dickschied, Geroldstein, Lauksburg und Laukenmühle. Zwischen den Bäumen schienen die Elfen zu kichern, und am rauschenden Bächlein wisperten die Nixen. Am Restaurant Kammerburg war Mittagseinkehr. Her mit der Speisenkarte. Am Zugang ein klares Glasgehäude mit unruhig zappelnden Forellen. Es waren schon andere Gäste vor ihnen angekommen, Fußwanderer und Radwanderer wie sie, die saßen schon bei Tische und entgräteten lustvoll die panierten Forellen nach Müllerin Art, wie man der Karte voll Neugier und mit Zaudern entnehmen konnte. Rudolf hatte noch nie eine Forelle gegessen. Das Cousinchen auch nicht, und die sagte mit Blick auf die noch im Glasbecken schwimmenden Speisekandidaten: "Igittegitt!" Rudolf dachte an die Fische, die der Postbeamte Pohlmann, der schräg über ihnen, den Anders, in der

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Lichtenberger Straße im vierten Stock gewohnte hatte, die der also immer mitbrachte, wenn er an seinen freien Tagen auf der geliebten Pfaueninsel zum entspannenden Angeln ging. Die Havel gab Zander her, Schleie und Barben, wohl auch – im Postbeamtentraum jedenfalls – halbmeterlange Hechte, aber Forellen? Und das Wichtigste: Zu Hause hatte die Großmutter Anders, seine Oma, immer mit geschickten und flinken Fingern die Gräten entfernt. Am Nachbartisch konnte man sehen, wie es gemacht wird. Sah gut aus, wenn man’s kann. Den Ausschlag gab der Preis, das Zehrgeld flüsterte: Speckeier mit Bratkartoffeln wären auch ganz lecker. Also wurden sie bestellt, und sie waren wirklich köstlich.

Weiter gings die letzte schöne lange Gefällestrecke hinab nach Lorch. Inzwischen war die Wisper erwachsen geworden und gurgelte und säuselte anderthalbmeterbreit dem Rhein entgegen. Die Radler folgten dem Flüßchen, das nach wie vor immer mal wieder die Straßenseite wechselte, dann traten die bewaldeten Berge zurück, und man fuhr durchs kleine Örtchen Lorch, das seit 1885 Stadtrechte hat, länger als zum Beispiel Bad Schwalbach am Ausgangspunkt ihrer schönen Tour. Gut vorbereitet wußten die beiden Helden, hier war historischer Boden, man stand unterhalb des ehemaligen römischen Kastells Laureacum, dem ehrenvollen, Lorbeerumkränzten? (oder umstandenen?). Als man im Mittelalter das unpassierbare Binger Loch noch umfahren mußte, traf der das Hindernis umgehende Handelsweg bei Lorch wieder auf den Rhein. Die Radfahrer machten einen letzten Schlenker, einmal rechts über die mittelalterliche Steinbrücke, dann links durch die Bahnunterführung, da war er, der romantische Deutsche Rhein, Gegenstand hunderter Lieder, deutscher gings nimmer. Geologisch stand man im Rheindurchbruchstal. Rechts gings zur Loreley (geliebter Heine, armer Heinrich der Matratzengruft), links war ihre Richtung Aßmannshausen, Rüdesheim, eine Landschaft voller Weinflaschenetiketten, alles stolze (teure) Namen. Man würde sehen, abwarten, denn jetzt hieß es strampeln und treten, ab Richtung Wiesbaden-Biebrich. Vor ihnen lagen noch fünfundvierzig Kilometer. Alles hat seinen Preis. Auch die Faulheit und das Vergnügen.

Aber zuerst noch einen ersten und schnellen Blick aufs Ritter-Hilchen-Haus: protzig-edle Renaissance (1546), ein Gang zur Martinskirche (13. Jahrhundert). In einer zum ersten Male betretenen Kirche darf man sich etwas wünschen, man darf aber nicht darüber reden, sonst geht’s nicht in Erfüllung. Rudolf dachte, hier komme ich gewiß schon noch einmal her, das Leben ist ja noch so lang. Wie hätte er wissen können, daß in fünfzehn Jahren der Gewerbe-Inspektor Rudolf Anders den Rheingau bis Lorchhausen, also noch einen Ort weiter Richtung Loreley, zum Aufsichtsbezirk haben würde, seiner Amtsverantwortung

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übertragen? Lag alles noch im dunklen Kontingenzraum der Möglichkeiten seiner persönlichen Geschichte innerhalb der großen Geschichte, diesem Raum, wo theoretisch alles möglich ist, was möglich ist, wenn es möglich ist, weil es Wirklichkeit werden kann, soll und darf. (Bis zum ersten Aufsatz über Niklas Luhmann, durch Zufall in der geliebten Hessischen Landesbibliothek, damals noch Nassauische Landesbibliothek; den Aufsatz entdeckte Rudolf so ganz nebenbei beim Durchblättern der sogenannten Kulturzeitschriften, die im Lesesaal auslagen, im Augustheft des "Merkur"; der Aufsatz hatte den Titel "Ist Luhmann ein Konservativer?"; bis zu diesem Aufsatz sollten auch noch vierundzwanzig Jahre vergehen; es folgten siebenundzwanzig Jahre Luhmann-Lesen; jetzt eben, wo dies geschrieben wird, ist dieser Niklas Luhmann, ohne den die Formulierung vor der Klammer gar nicht möglich gewesen wäre, schon fast vier Jahre tot, still von uns gegangen; möge sein Gott, der alteuropäische, ihm wohlwollen). Aber noch nichts von alledem bewegte den radelnden Rudolf jetzt, wo er von der Kraft der Jugend beflügelt gen Biebrich strampelte, vor sich auf dem Rad die flatternden Röcke des Cousinchens, links Schloß Johannisberg, die Erfolgsprämie für den Habsburgdiener und Europäer Metternich, Chef des politischen Genies Friedrich von Gentz (der für ihn als sein hochgeschätzter Sekretär während des Wiener Kongresses die Gedanken- und Drecksarbeit erledigen mußte; der Chef – wie immer – staubte das Schloß ab und die schönsten Weinberge der Welt drumherum), und entgegenkommend alle die Radfahrer, und es waren deren Hunderte, mit ihren bunten Wimpeln aller europäischen Länder, sie alle unterwegs im nun befreundeten Adenauerland, dem friedlichen Deutschland, sie alle grüßten die begegnenden Radfahrer unbeschadet ihrer Herkunft mit einem Zünftigen "Servus!". Es war eine herzöffnende Erfahrung: Europa war lebendig!

Langsam wurden die Wadenmuskeln flau. Noch immer ging es an Dörfern und Städtchen mit Weinnamen vorbei: Geisenheim, Oestrich, Mittelheim, Winkel, Hattenheim, Erbach, Eltville, Walluf. Das ist der Garten Gottes, sagt der Volksmund, und Rudolf war bereit, es zu glauben. In dieser Nacht, der zweiten im Goldenen Westen, hat er tief, fest und traumlos geschlafen. Das sagt seine Erinnerung; sie weiß zwar nicht alles, doch sie hat immer recht.

 

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