Bedenkendes Staunen


David Malin

Vom Kontinent des Südens

Lenkt unsern Blick in

Allerfernste Weiten und

Zeigt uns Bilder, die

Aus allen Wellenlängen

Komponiert das Weltall

Kühn erstrahlen lassen in

Formen, die wir nie geahnt.

Das ist der Weg ins Weite.

Den großen Dimensionen

Dicht verwandt ins Wunderbare

Allerkleinste führen die

Mikroskope unsern Blick

Hinein ins Innere der Welt.

Die Biologen entschlüsseln uns

Den Zellenbau und – kühner noch

Die systematischen Prozesse als

Die kleinsten Weltsysteme im

Kreativen Wandel des

Auf- und Abbaus temporärer

Formen und Gestalten.

Noch tiefer gleiten Physiker denkend hinein

Ins Formenlabyrinth der Vielfalt

Unvorstellbar kleiner Gestalten

Aus reiner Energie, die sich

Kurz oder länger konfigurieren

Im Medium der Felder schierer Kontingenz.

Wer sich noch immer nicht

Genug gewundert hat im

Größten wie im Kleinsten,

Der trete die Gedankenreise an

Ins Zehn-hoch-neun der Jahre,

Die als vollendete Vergangenheit

Hinein in unsere Eigenzeit

Mit einem wahren Schauer an

Dokumenten und Petrefakten

Gewesener Naturformen in

Gleicher Unerschließbarkeit

Wie alle Raumwunder auch

Die Zeit als unergründlich

Tiefenreich entstehen lassen

Als Begrifflichkeit, die doch –

Streng genommen – nichts begreift

Als Bilderworte, die plausibel uns

Die Welt erschaffen, die nun gilt.

In solcher Weise bilden

Demut sich und Glück,

Gefühle ohne Maß und Dauer,

Und formen dennoch fest

Ein Fundament, genug

Gegründet für den Hoffnungsbau,

Worin wir glaubensfest voll Eifer

Der Komplexität des Alltags,

Kraft entfaltend, keck entgegentreten.

 

(Rudi Sander)