Bekenntnis
Mir träumt von einer Quelle,
Die duftet bittersüß.
Heiß träumend war ich sicher:
Hier liegt das Paradies.
Man hat uns draus vertrieben,
Der Schlange gab man Schuld,
Weil Eva sie verführet
Vor allzu langer Zeit.
Die Landschaft dieses Traumes
lockt arg uns allezeit und
Läßt uns glühend handeln
Auf allen Feldern weit.
Wir stehlen und wir lügen,
Sind hemmungslos bereit
Uns diesem Druck zu fügen,
Heut', morgen, allezeit.
Im Wald, im tiefen Walde,
So raunet manche Mär,
Da fließet schlang ein Bächlein,
Das wispert: komm doch her.
Komm doch in meine Matten,
Ruh' doch auf meiner Au,
Such' doch in meinem Schatten
Dein Spiegelbild: die Frau.
Laß dich von ihr verführen,
So wie die Schlange tat,
Halt still, ohne zu rühren,
Du erntest ohne Saat.
Und hast du still empfunden,
Was dir die Liebe bot,
So wirst du stets gesunden,
Es endet alle Not.
Drum folge stets dem Bache
Und seinem Murmeln leis,
Es träumet nur der Wache,
Er zahlt auch gern den preis.
Der Preis ist grob: Das Leben,
Nichts ohne Risiko,
Wer täuschen will, muß sterben,
Es ist nun einmal so.
Hilft Jammern nicht und Klagen,
Reich' diesem Gott die Hand.
Es gilt: Nur niemals zagen,
Du bist ihm ja verwandt.
Vor'm Paradies der Engel, er
Schaut nur grimmig drein,
Hab' ihn nur lieb und selig,
So läßt er dich hinein.
(Rudi Sander)
["Ein Bild hält uns gefangen ..."; Wittgenstein]