Schlupfwespe, sterbend


Zuerst, so fällt mir auf,
Sie rührt sich nicht,
Sie sitzt vollkommen still.
Meditiert sie?

Meditieren denn Wespen,
Frage ich mich zweifelnd?.
Meditiere ich doch selber selten,
Kaum in Fällen enttäuschter Liebe
Oder fehlender Münzen im Portemonnaie,
Weil das nicht weiterhilft, den traurigen
Erfahrungen nach eines wespengleichen,
Kurz-gejagten Menschenalltags.

Weil sie neben meinem Kuchenteller liegt
Schnippe ich sie achtlos fort,
Quer über den rosa gedeckten Tisch.
Sie bleibt starr liegen auf ihrem Rücken,
Ihre sechs Beine zucken einzeln,
Unharmonisch, unwillkürlich,
Wie absichtslos, sinnlos scheinend,
Dann ist sie starr und still.

Ist das ihr Tod? Fast
Beschleicht mich Reue, Trauer,
und Mitleid mit aller Kreatur.

Weiterlesend bemerke ich,
Nach einen Weile, zeitlich ungemessen:
Sie Lebt noch! Denn jetzt liegt sie wieder,
Oder muß man sagen: Steht?
Sie steht bewegungslos auf ihren Beinen,
Aber: Nach zwei Stunden immer noch! Also:
Ist sie doch wohl verstorben. Nein!
Sie krabbelt, plötzlich und unerwartet,
Davon und balanciert, Schrittchen
Für Schrittchen, haarscharf an der Tischkante
Entlang, ohne abzustürzen. Gratuliere!