Welt und Sinn


Derselbe Wind läßt viele Drachen steigen.
Nur eine Kraft gibt allen Herzen Schwung.
Wer nichts mehr sieht, obgleich die Augen offen,
Der hat den Tausch: Welt gegen Sinn verloren.

Zeigt dir der Blick nach draußen nur noch Trübe,
Erscheint die Welt dir fröstelnd grau in grau,
Such' doch mal probeweis' den Schaltungsfehler
Im Innern tief des eignen schwarzen Kastens.

Befrage ehrlich mal die blackbox, ICH genannt,
Die grauen Zauberschleifen in der Stirn,
Genau gesprochen: gleich dahinter, wo sie
Ihr unvorstellbar Wandlungsspiel dir zeigen.

Fast himmlisch blüht vor dir ein Kirschbaum:
Sein Bild füllt treulich deine Netzhaut aus:
Doch deine Ganglien schrei'n: Hinweg den Trug!
Weil blütenweiß ein ferner Schmerz dich graust.

Das weiße Blütenphänomen, du spürst es,
Dein Denken rechnet's fälschlich um in Schmerz,
Den irgendeine Bosheit, maienfern,
Dir einmal angetan; in Vaters Garten war's.

Reich mir die Hand und hab' Vertrauen, komm,
Laß uns gemeinsam in den Garten gehen,
Laß schauen uns, ob eine milde Stunde
Kommunizierend dir das Bild ,,verrückt".

Die schönsten Blüten sind ein Schreckensbild,
Wenn über Seelenschmerzen sie geblüht.
Doch sind's die Blüten nicht, die bluten,
Es ist dein rückwärts denkend Herz, das schreit.

Kein Kirschenbaum will dich verletzen. Schau,
Es ist die falsche Kopplung der Gedanken nur,
Die im Bewußtsein dir die Welt verzerren,
Weil dich dein ICH, es rechnet falsch, betrügt.

Laß uns gemeinsam, denn Versuch macht klug,
Im Schatten dieser Blütenpracht ein Scherzlied singen.
Dein Lachen dann, die Blüten und die Melodie,
Sie werden so - vielleicht - die Welt verwandeln:

Weil DU es bist, der sich den SINN der WELT erzeugt.